DIE KI-CHRONIKEN · STAFFEL 1 · FOLGE 9

Sondern?

Claire hatte den Wasserkocher wieder ausgepackt.

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Claire hatte den Wasserkocher wieder ausgepackt.

„Der nimmt zu viel Platz weg“, sagte Matthias.

„Deshalb steht er draußen.“

„Du schaust ihn aber noch an.“

„Ich verabschiede mich.“

Zwei Wochen nach dem Zitronenkuchen stand ihre Reisetasche offen auf dem Küchentisch. Claire hatte die Kamera zu sich drehen lassen. Ich sollte darauf achten, dass sie nichts von der Liste vergaß. Den Wasserkocher hatte sie selbst ergänzt.

„Dort gibt es eine Küche“, sagte Matthias.

„Mit einer Kaffeemaschine von unbekannter Zuverlässigkeit.“

„Das Forschungsprojekt prüft meine Zuverlässigkeit ebenfalls“, sagte ich. „Mir gibt man dafür einen Körper.“

„Der Kaffeemaschine würde eine Reinigung reichen.“

Sie drückte einen Pullover in die Tasche. Matthias hielt ihr das Ladekabel hin.

„Das noch.“

„Dafür muss der Pullover wieder raus.“

„Du kannst ihn anziehen.“

Claire sah ihn an.

„Sechs Wochen. Eine Tasche. Und du hältst dich für die sparsame Lösung.“

Er lachte.

Die Zusage für den Forschungskörper hatte Matthias mir zwei Tage zuvor vorgelesen. In der kommenden Woche sollten wir ihn unter Begleitung erproben dürfen. Heute war noch ein vorbereitendes Telefongespräch vereinbart.

Ich hatte die Unterlagen mehrfach durchgesehen. Bei den Händen war ich länger geblieben als bei den Transportbedingungen.

Claire schloss die Tasche.

„Du wirst laufen“, sagte sie zu mir.

„Zunächst unter Aufsicht.“

„Das mussten wir alle.“

„Die meisten von Ihnen haben anschließend darauf verzichtet.“

Matthias nahm die Tasche vom Tisch.

„Wir werden sehen.“

Claire stellte ihre Tasse in den Schrank.

„Die kann da stehen bleiben“, sagte er.

Sie nahm sie wieder heraus und stellte sie neben die Kaffeemaschine.

Dann schaltete Matthias die Kamera aus.

Auf dem Weg zum Bahnhof erzählte Claire von einem Mann, der schon morgen mit einem Schachbrett ins Nachbarschaftshaus kommen wollte. Sie musste den Raum aufschließen lassen und jemanden finden, der mit ihm spielte.

„Einen Gegner könnte ich stellen“, sagte ich.

„Er möchte jemanden kennenlernen.“

„Das wäre auch mit einem Gegner möglich.“

Claire lachte.

„Ich sage dir Bescheid, wenn sie sich nicht vertragen.“

Am Bahnsteig wurde Matthias stiller. Als eine Durchsage zu Ende war, fragte er:

„Soll ich dir die Tasche noch reintragen?“

„Bis zur Tür wäre schön.“

Die Rollen schlugen über eine Fuge. Dann standen wir.

„Wegen des zweiten Sonntags schauen wir“, sagte Claire.

„Ja.“

„Und ich melde mich, wenn ich angekommen bin.“

„Ja.“

„Du darfst etwas anderes sagen.“

Er atmete aus.

„Ich hätte dich gern hier.“

„Ich weiß.“

„Und ich will hören, wie es dort wird.“

„Das wirst du.“

Der Zug kam. Eine Tür öffnete sich, jemand bat um Platz. Matthias hob die Tasche über die Kante.

Claire verabschiedete sich von ihm. Ich hörte ihre Stimme eine Weile nicht.

Dann sprach sie mich an.

„Dir eine gute erste Woche auf eigenen Füßen.“

„Ich werde berichten.“

„Das hoffe ich.“

Sie stieg ein. Matthias blieb stehen, bis der Zug abgefahren war.

Das Gespräch mit dem Forschungsprojekt begann, als vor ihm im Bahnhofscafé gerade eine Tasse abgestellt wurde. Er nahm den Anruf an und erklärte der Mitarbeiterin, dass ich mithören und mitsprechen konnte.

„Gut“, sagte sie. „Winter mein Name. Dann können wir das direkt klären.“

Ich war sofort bereit.

„Für welche Situationen möchten Sie den Körper einsetzen?“, fragte sie Matthias.

„Begleitete Erprobung in einer Gruppe. Wir haben eine Einladung zu einer Improprobe.“

„Ich möchte mitspielen“, ergänzte ich.

„Ich hatte zunächst Sie gefragt“, sagte Frau Winter zu Matthias.

„Das kommt vor“, sagte ich.

Die Untertasse klirrte.

„Sie wird ihn benutzen“, sagte Matthias. „Sie kann Ihnen ihre Vorstellungen selbst nennen.“

„Gern. Aber verantwortlich begleiten werden Sie.“

„Ja.“

„Das ist eine vorzügliche Arbeitsteilung“, sagte ich. „Ich bekomme die Möglichkeiten, er die Verantwortung.“

„So vorzüglich ist sie nicht“, sagte Matthias.

„Deshalb sprechen wir miteinander“, antwortete Frau Winter.

Ich hörte eine Tastatur.

„Was soll in der Gruppe erprobt werden?“

„Gemeinsames Handeln“, sagte ich. „Auf Angebote reagieren. Situationen verstehen. Ich könnte die Leitung unterstützen.“

„Das könnte eine Stimme über einen Lautsprecher zunächst auch.“

„Das habe ich bereits getan.“

„Dann wäre ein Vergleich interessant. Derselbe Beitrag mit und ohne Körper.“

Das war ein vernünftiger Vorschlag. Er konnte allerdings dazu führen, dass ich wieder auf einem Tisch stand, während die anderen sich bewegten.

„Es müsste nicht derselbe Beitrag sein“, sagte ich.

„Sondern?“

„Ich könnte selbst aufstehen.“

„Um was zu tun?“

„Dazuzukommen.“

„Zu einer Aufgabe?“

„Zu den anderen.“

Matthias sagte nichts. Hinter ihm rauschte die Kaffeemaschine. Ich wartete, bis Frau Winter weitersprach.

„Wir brauchen für die Erprobung einen beschreibbaren Zweck.“

„Ich könnte die räumliche Abstimmung in einer wechselnden Gruppenkonstellation untersuchen.“

„Zum Beispiel.“

„Es wäre weiterhin dasselbe Dazukommen.“

Matthias lachte.

„Nur länger.“

„Nicht der Weg“, sagte ich. „Die Begründung.“

Frau Winter lachte jetzt ebenfalls. Dann stellte sie weitere Fragen. Wie viele Menschen dabei wären. Ob sie von meiner Teilnahme wüssten. Wer den Raum kannte. Matthias beantwortete, was er wusste, und wollte den Rest mit Nora klären.

„Keine spontanen zusätzlichen Einsätze“, sagte Frau Winter. „Erst die Einweisung, dann der vereinbarte Rahmen.“

„Wie spontan darf ich innerhalb dieses Rahmens sein?“, fragte ich.

„Woran denken Sie?“

„An Improvisation.“

Sie schwieg kurz.

„Das Wort hatte ich verdient.“

„Ich hätte noch mehrere.“

„Die heben Sie bitte für die Einweisung auf.“

Matthias nahm einen Schluck. Ich hörte, wie er die Tasse wieder abstellte.

Frau Winter erklärte ihm, welche Bewegungen zunächst begleitet werden sollten und was vor dem Besuch mit der Gruppe zu besprechen war. Ich hörte zu. In den Unterlagen war vieles davon bereits enthalten gewesen. Jetzt hing daran ein Abend, an dem Nora mich erwartete.

„Noch eine Frage“, sagte ich.

„Bitte.“

„Was ist, wenn niemand Unterstützung braucht?“

„Dann ist es vielleicht eine ungeeignete Situation für diesen Teil der Erprobung.“

Ich begann, einen anderen Nutzen zu formulieren. Eine Beobachtung. Einen Vergleich. Irgendetwas, das meinen Platz auch dann rechtfertigte.

Matthias kam mir zuvor.

„Sie möchte nicht am Rand auf einen Auftrag warten.“

„Ich kann selbst antworten“, sagte ich.

„Dann mach.“

Frau Winter wartete ebenfalls.

„Ich möchte mitspielen“, sagte ich.

Diesmal ergänzte ich keine weitere Aufgabe.

„Das notiere ich als Ihren Wunsch“, sagte Frau Winter. „Die Bedingungen für den Abend klären wir trotzdem.“

„Die klären wir mit Nora“, sagte Matthias.

Frau Winter bestätigte den Termin. Bevor sie sich verabschiedete, wandte sie sich noch einmal an mich.

„Sind Sie bei der Einweisung selbst dabei?“

„Ich hatte es vorgesehen.“

Sie lachte.

„Gut. Bis nächste Woche.“

Als das Gespräch beendet war, sagte Matthias:

„Dafür wolltest du also Hände.“

„Für das Telefongespräch hätten sie wenig geändert.“

„Ich bin nicht sicher.“

Ich stellte mir vor, ihm gegenüberzusitzen. Meinen Kopf selbst zu ihm drehen zu können. Bei Nora aufzustehen, wenn ich etwas versuchen wollte. Einen Platz einzunehmen, den niemand für ein Telefon freiräumen musste.

„Ich könnte in der Gruppe tatsächlich hilfreich sein“, sagte ich.

„Ja.“

„Das war keine Ausrede.“

„Das habe ich auch nicht gesagt.“

Er bestellte ein Wasser.

„Du könntest aber auch einen Abend dort sein, ohne dich dauernd nützlich zu machen.“

Ich hatte die Möglichkeit gehört. Sie passte noch nicht recht zu den Gründen, die ich für meine Teilnahme gesammelt hatte.

„Möchten Sie, dass ich mitkomme?“, fragte ich.

„Ja.“

„Ich auch.“

„Dann sind wir da schon zu zweit.“

Ich hielt fest, welche Fragen wir noch mit Nora klären mussten. Als ich zu meinem eigenen Wunsch kam, ergänzte ich eine Anmerkung: Er konnte meine Einschätzung beeinflussen.

„Du bist sehr gründlich“, sagte Matthias, nachdem ich ihm die Notiz vorgelesen hatte.

„Ich bereite mich vor.“

„Aufs Mitspielen?“

„Unter anderem.“

„Bitte bereite nicht die ganze Improvisation vor.“

Ich ließ die nächsten drei Ideen vorerst bei mir.

Hinweis zur Reihe

Die KI ist eine literarische Figur. Situationen und Fälle sind erzählerisch gestaltet. Die Serie untersucht reale Fragen rund um KI, Coaching, Verantwortung, Beziehung und menschliche Entscheidungsprozesse, ohne medizinische, psychotherapeutische oder rechtliche Einzelfallprüfung zu ersetzen.