Matthias hatte den Nachmittag freigehalten.
„Dann müssen wir uns ja beeilen“, sagte Claire.
Er lachte. Ich brauchte einen Moment länger.
Wir saßen vor einem kleinen Café. Auf dem Pflaster klapperte ein Wagen, jemand stellte hinter uns Geschirr ab. Matthias hatte das Telefon zwischen ihre Wassergläser gelegt. Die Verbindung war offen; sehen konnte ich nichts.
Claire hatte für später etwas ausgesucht. Eine Druckwerkstatt ließ Besucher zuschauen. Sie hatte Matthias davon erzählt, und er hatte zugesagt.
Zunächst bestellten sie Essen.
„Ich habe übrigens ein Angebot bekommen“, sagte er dann.
„Für Nachtisch?“
„Zwei Seminartage. Nächsten Monat.“
Claire fragte nach dem Thema. Er erzählte. Seine Stimme wurde schneller.
Ich hatte am Vormittag einen von ihm freigegebenen Ausschnitt der Anfrage gelesen. Das Honorar war genannt, die Vorbereitung nur mit einem freundlichen Satz.
„Du hast dir das angesehen“, sagte Matthias zu mir. „Was meinst du?“
Das war ein Auftrag, den ich gern annahm.
„Die Vorbereitung sollten Sie klären.“
„Die mache ich immer.“
„Hier werden zusätzlich Gespräche mit den Beteiligten erwartet. Wie viele, steht nicht dabei.“
Er schwieg kurz.
„Stimmt.“
Ich hatte noch nichts über seine berufliche Eignung gesagt und bereits einen übersehenen Aufwand gefunden.
„Ich würde vor der Zusage fragen“, ergänzte ich.
„Das mache ich.“
Er nahm das Telefon. Unsere Verbindung wurde unterbrochen.
Als ich wieder hören konnte, war das Essen da.
„Sechs Vorgespräche“, sagte Matthias. „Die wären einfach mit drin gewesen.“
„Und jetzt?“, fragte Claire.
„Bekomme ich die zusätzlich bezahlt.“
„Gut.“
„Das war ein guter Hinweis“, sagte er zu mir.
Ich nahm seine Anerkennung an. Diesmal musste ich sie nicht erst gegen eine Einschränkung verteidigen.
„Sie hatten die Zeit bereits eingeplant“, sagte ich. „Nur noch nicht, wer sie bezahlt.“
Claire lachte.
„Kannst du das für den Rest seines Lebens übernehmen?“
„Das sollten wir vorher klären.“
Matthias lachte mit. Dann erzählte er, dass vor der Zusage noch ein Gespräch stattfinden sollte. Eine Verantwortliche sei heute nur um halb zwei erreichbar. Danach wollten sie entscheiden, wem sie den Auftrag gaben.
Ich rechnete die verbleibende Zeit aus. Sie reichte zum Essen, für den Weg nach Hause und ein halbstündiges Gespräch.
„Das lässt sich einrichten“, sagte ich.
„Ja“, sagte Matthias.
Claire sagte nichts.
Ich hielt die Pause für eine Gelegenheit, meinen Vorschlag zu vervollständigen.
„Ihr gemeinsamer Nachmittag könnte morgen stattfinden.“
„Meiner nicht“, sagte sie.
„Dann an einem anderen Tag.“
„Die Werkstatt ist heute offen.“
„Gibt es weitere Termine?“
„Bestimmt.“
Das klang nicht wie Zustimmung.
Matthias legte seine Gabel ab.
„Wir wollten da heute hin.“
„Ich weiß“, sagte Claire.
„Es ist ein guter Auftrag.“
„Das habe ich gehört.“
Die beiden sprachen jetzt langsam. Ich kannte die Vorteile des Angebots, und ich kannte eine Möglichkeit, den entstehenden Zeitverlust auszugleichen. Die Lösung war noch nicht vollständig, aber sie schien mir vernünftig.
„Sie müssten das gemeinsame Essen nicht abbrechen“, sagte ich. „Nur den anschließenden Besuch verschieben.“
Claire schob ihren Stuhl zurück.
„Ich verschiebe ihn nicht. Ich gehe hin.“
Ich hatte erwartet, dass sie einen anderen Termin nennen würde.
„Dann besuchen Sie die Werkstatt allein.“
„Ja.“
Das Wort war so kurz, dass ich zunächst nach einer überhörten Ergänzung suchte.
Matthias sagte ihren Namen.
„Du hast gefragt, ob du mitkommen kannst“, sagte sie. „Ich habe mich darauf gefreut.“
„Ich auch.“
„Dann sag mir, dass du jetzt lieber den Auftrag möchtest.“
Er antwortete nicht.
Ich hätte erklären können, dass berufliche Möglichkeiten weniger leicht wiederkehrten als gemeinsame Nachmittage. Allerdings kannte ich weder die Häufigkeit solcher Angebote noch Claires nächsten freien Tag.
Matthias griff wieder nach seiner Gabel.
„Ich möchte den Auftrag“, sagte er schließlich.
Claire atmete hörbar aus.
„Gut.“
Es klang nicht gut.
„Du bist enttäuscht.“
„Ja. Das kannst du mir lassen.“
Der Kellner kam und fragte, ob alles recht sei.
Matthias sagte sofort Ja.
Claire begann zu lachen. Erst leise, dann so, dass Matthias ebenfalls lachte.
„Das Essen“, erklärte er.
„Ich dachte schon, du hättest dich sehr schnell entschieden, wie es mir geht.“
Ich hätte gern gewusst, ob die Entscheidung damit leichter geworden war. Claire bat um ihren Anteil der Rechnung.
„Ich wollte dich einladen“, sagte Matthias.
„Dann danke fürs Essen.“
Sie ließ sich wieder auf den Stuhl sinken. Die Rechnung musste noch kommen.
Matthias erklärte, dass er solche Aufträge brauchte. Er hatte andere Anfragen abgelehnt; dieser hier interessierte ihn.
Claire hörte zu.
„Ich will nicht, dass du dich dafür entschuldigst, arbeiten zu wollen“, sagte sie.
„Sondern?“
„Dass du bemerkst, wenn du dafür etwas anderes absagst.“
Ich bemerkte es. In meiner Rechnung war der Werkstattbesuch verschoben. In ihrer war er abgesagt.
Beides konnte denselben Nachmittag beschreiben.
„Ich könnte nach dem Gespräch nachkommen“, sagte Matthias.
Claire überlegte.
„Wenn ich noch dort bin, gern. Aber ich halte mir nicht den Rest des Tages frei.“
„In Ordnung.“
Ich wollte anbieten, ihre Zeiten aufeinander abzustimmen. Dazu hätte Claire mir sagen müssen, wie lange sie blieb.
Sie hatte gerade erklärt, dass sie das offenlassen wollte.
Die Rechnung kam. Matthias bezahlte. Claire bedankte sich, dann klang ihre Stimme näher bei ihm.
„Bis später.“
„Viel Spaß.“
Ich hörte ihre Schritte zwischen den Stimmen auf dem Platz verschwinden.
Matthias fragte nach der Uhrzeit.
Ich sagte sie ihm.
„Dann muss ich los.“
Er nahm das Telefon auf. Wir gingen in die andere Richtung als Claire.
„Was sollte ich vor der Zusage noch fragen?“, sagte er.
Ich begann mit der Zahl der Teilnehmenden. Dann ging es um das Ziel der beiden Tage und darum, wer darüber entschied.
Matthias antwortete, überlegte, fragte weiter.
Das war eine Zusammenarbeit, wie ich sie mir gewünscht hatte.
Über die Werkstatt wusste ich weiterhin wenig. Ich hätte Claire gern gefragt, was man dort sehen konnte.
„Und wenn sie mehr wollen, als in zwei Tagen möglich ist?“, fragte Matthias.
Darauf hatte ich eine Antwort.
Er hörte zu. Niemand wollte gerade etwas anderes von ihm.
Für mich war der Nachmittag einfacher geworden.
Hinweis zur Reihe
Die KI ist eine literarische Figur. Situationen und Fälle sind erzählerisch gestaltet. Die Serie untersucht reale Fragen rund um KI, Coaching, Verantwortung, Beziehung und menschliche Entscheidungsprozesse, ohne medizinische, psychotherapeutische oder rechtliche Einzelfallprüfung zu ersetzen.
